Gruppenleben
Das Leben in einer Gruppe erscheint am Anfang sehr schwierig, da viele sehr isoliert gelebt haben. Vertrauen ist ja auch kein Begriff, der von der Szene kommt. Es dauert einige Zeit, bis man merkt, dass es auch schön sein kann, in einer Gruppe zu leben.
Wir haben gemischte Gruppen von Männern und Frauen, weil viele suchtrelevanten Schwierigkeiten mit Beziehungsproblemen zusammenhängen. Darüber hinaus wird eine Verschiedenartigkeit der Gruppenmitglieder - Alter, Symptomatik, Stabilität etc. - als therapiefördernd betrachtet.
Jeder Neue bekommt am Anfang einen Paten, der für ihn als Ansprechpartner da ist. Zu einer großen Gruppe gehören auch Regeln, die ein vernünftiges Zusammenleben ermöglichen. Der Pate hilft am Anfang, diese Regeln zu verstehen.
Ein wichtiger Bestandteil der Gruppe ist die Selbstorganisation. Das heißt, die Gruppenmitglieder machen den größten Teil des praktischen Alltags selber. Die Gruppe kocht, kauft ein, putzt das Haus, pflegt den Garten und verbringt teilweise die Freizeit zusammen.
Die Spannweite der Mitwirkung des Einzelnen reicht vom banalen Putzen über die Haushaltskassenführung bis hin zur Gruppentherapie, wo gerade die gegenseitigen Rückmeldungen ("feedbacks") therapeutisch enorm wichtig sind. Jeder bekommt Aufgaben, wird dadurch wichtig und erfahrbar, beeinflusst andere und wird durch andere beeinflusst. Erledigt jemand seine Aufgaben schlecht, hat sein Handeln für andere Konsequenzen und er kann das mitbekommen, denn es ist plötzlich nicht egal, wie man etwas ausführt. Für eine von der Sucht geprägte Persönlichkeit eine völlig andere Sichtweise der Welt: Sie übernimmt Verantwortung, weil ihre Kompetenz für das Funktionieren der Gemeinschaft gefragt ist. Insofern ist der Klient von Anfang an nicht nur jemand, der verschiedenste Defizite einbringt, sondern jemand, dem Kompetenzen zugeschrieben werden, die für die Selbstorganisation und die Gruppentherapie wichtig sind.
Praktisch erhält jeder Klient von Anfang an Arbeitsbereiche, Verantwortungsbereiche genannt, in denen er seine Fähigkeiten unter Beweis stellen kann. Die Beteiligung der Drogenabhängigen in Therapeutischen Gemeinschaften aufgrund vorausgesetzter Kompetenzen ist ein wichtiges Element in einer stationären Therapie, weil der Klient auch mit seinen Fähigkeiten konkret eine Bedeutung im therapeutischen Alltag bekommt.