Die Therapie
Die äußerst wichtigen Verlaufsphasen der Therapie werden bei uns als Stufen bezeichnet. Die Struktur dieser Verlaufsphasen und ihre konzeptionelle Bezeichnung läßt sich wie folgt darstellen:
Vor der Therapie: Kontaktaufnahme und medizinischer Entzug
Die Entgiftung ist die Voraussetzung für die Drogentherapie. Die Entgiftung machen wir nicht selbst. Sie wird von speziellen Entgiftungsstationen durchgeführt. Aber schon vor der Entgiftung entsteht ein persönlicher Kontakt zu unserer Einrichtung durch Vorgespräche, telefonischen oder schriftlichen Austausch. Wir versuchen in dieser Zeit so viel Hilfe und Unterstützung wie möglich zu geben, z.B. bei den oft komplizierten Kostenanerkenntnissen, bei der Vermittlung von Entzugsplätzen, durch Hilfen bei Fahrten in den Entzug, durch Übernahme der Kinder in dieser Zeit, beim Transport des Hausstandes usw. Nach Abschluss der Entgiftung erfolgt dann möglichst unmittelbar die Aufnahme in unsere Einrichtungen.
Die Stammhaustherapie (vollstationär)
Sie dauert ca. 5 Monate. Kennzeichnend für diesen Abschnitt ist eine hohe Betreuungsdichte und anfänglich sehr geringer Außenkontakt, der allmählich zunimmt. In dieser Zeit lassen sich wiederum drei wichtige Entwicklungsphasen, Stufen genannt, unterscheiden. Es sind dies:
Stufe 1 - Die Grundstabilisierung: Nach dem körperlichen Entzug leiden die Klienten unter großer psychischer Labilität mit starken Stimmungs- und Motivationschwankungen, denen von Beginn an psychotherapeutisch entgegengewirkt werden muss. Teilweise ist dies durch den sekundären Entzug verursacht, der ein halbes Jahr dauern kann und der seit dem Einsatz von Substitutionsmitteln deutlich ausgeprägter ist.
Stufe 2 - Die Identifikation und Tiefung: Ein Identifikationsprozeß mit der Gruppe und der Einrichtung hat eingesetzt, zu diesem Zeitpunkt der effektivste Mechanismus für die Abbruchvermeidung, die Übernahme wichtiger Normen und Therapieziele und die Stärkung der gesamten Therapiemotivation. Identifikationsprozesse treten immer auf, daher müssen diese konstruktiv zusammen mit der Gruppendynamik als wesentliche Therapiefaktoren genutzt werden. Verbunden damit bzw. erst dadurch möglich ist eine Vertiefung des therapeutischen Prozesses, weil die Klienten beginnen, ihre tiefer liegenden psychischen Probleme zu offenbaren.
Stufe 3 - Die Autonomie und Ablösung: Es beginnt eine Besinnung auf die eigene Individualität, die hauptsächlich in der Beziehung zur Gruppe reifen und erlebt werden kann. Dies wird gefördert durch den Einstieg in den Rehabilitationsprozess, geeignete Testverfahren (z.B. Berufseignungstests) und die Vorbereitung des Übergangs in die Adaptionsphase.
Die Adaption (vollstationär)
Sie wird in einem Stadthaus mit hoher Platzzahl durchgeführt, um eine große Gruppe mit unterschiedlicher Verweildauer der Mitglieder zu gewährleisten, ist gekennzeichnet durch eine zwar wesentlich geringere Betreuungsdichte, aber weiterhin fortgesetzter psychotherapeutischer Einzel- und Gruppentherapie und wird getragen durch das Bezugstherapeutensystem aus der Phase I. Sie dient der Eingewöhnung in Ausbildung und Beruf und der Bewältigung der Abstinenz unter gesellschaftlich realistischen Bezügen. Der Übergang in die ambulante Weiterbehandlung wird vorbereitet.
Weiterbehandlung nach der stationären Therapie
Die Therapie hört nach der Beendigung der stationären Therapie nicht plötzlich auf, sondern wir bieten solange eine Betreuung an, bis der Klient sicher auf eigenen Beinen steht. Im ersten Jahr übernehmen die Kostenträger eine stundenweise Weiterbehandlung ("Ambulante Weiterbehandlung" bzw. "Ambulante Nachbetreuung"). Danach bieten wir eine Nachsorge auf freiwilliger Basis an. Durch diese lange Betreuungszeit hat sich in Lüneburg eine große drogenfreie Gegenkultur entwickelt, wo der Klient nie das Gefühl bekommt, alleine mit seinen Problemen zu sein.